Hitze in der Stadt

Wir Berliner Bürokraten sitzen in vergeblich klimatisierten Räumen und der Schweiss perlt an unseren Körpern herab, von der Stirn aus den Hals entlang, bei den Achseln Verstärkung anfordernd, schliesslich in die Schuhe hinein, direkt in die Aktivkohlen-Schuheinlagen, die längst die Grenze ihrer Saugfähigkeit erreicht haben.

Deos versagen en gros. Jeder trinkt literweise, die Urinalen sind trotzdem menschenleer. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was das für die Luft bedeutet.

Schon ein Blättchen Salat in der Kantine treibt mir den dampfenden Saft aus den Poren, als stopfte ich mir in der Chihuahua-Wüste die dritte Portion Chili con carne ins Abdomen.

Tritt man vor die Tür, prallt man zunächst an der Hitzewand ab. Woher kommt sie? Todesstrahlen aus dem All? Oder nur die Hitzeableitung der grossstädtischen Klimaanlagen? Egal: Mit viel Kraft (=mehr Schwitzen!) kämpfe ich mich hindurch, auf der Suche nach dem nächsten Coffeeshop mit Iced Coffee Mocha (i.e.z.B.: der ‚Balzac‘ am Checkpoint Charly). Dabei erfreue ich mich an den Schatten, den die glühenden Skyscraper in die Schluchten des humanurbanen Megagrills werfen.

Doch um zum Coffeeshop zu gelangen, ist die sonnendurchflutete Strasse zu überqueren. Was folgt, hat man schon oft gesehen: In käsigen Kinofilmen, in denen UV-ungeschützte Vampire ins Licht gezerrt werden und daraufhin malerisch in explosivem Feuer vergehen. Hauptrolle ich, Hitzeschilde auf 0 Prozent.

Flamm‘! Verweh‘.
Ballen von Steppengras rollen durchs Bild. Rotfilter.
Abblende.

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